Anreise

Die Vorfreude ist einerseits gross, denn ich war das letzte mal 1999 für zwei Wochen mit dem Blechbläserquintett «Lucerne Chamber Brass» durch ein gewonnenes Stipendium in «the windy City» Chicago. Andererseits ist am Montag Schulanfang für meine zwei Mädchen nach den lagen Schulferien und da wäre ich natürlich auch sehr gern dabei.

Frühmorgens renne ich zum Bahnhof mit dem Koffer unter dem Arm, leider verpasse ich um Sekunden den Zug und muss zu Fuss weiter, beziehungsweise rennend von Steinen zum Flughafen Zürich spurten...!
Der Wecker läutet um 06:00 Uhr und ich wache pünktlich auf und merke in traditionell schweizerischen Volkstönen; «s'isch ja nur es chlises Träumli gsi...!» uff...!!!
Pünktlich erreiche ich den Zug um 06:58 Uhr in Steinen und treffe als erstes auf eine Trachtengruppe in ihren traditionellen Innerschweizer Gewänder, ich glaub ich träume wieder...

Kaum in Zürich angekommen, strömen die anderen Kollegen aus Luzern mit ihren Koffern aus dem Zug und wir marschieren zusammen zum Check in 2. Ich erhalte meine Boardingkarte und ahne Schlimmes! Sitzplatz 42D könnte je nach Flugzeug in der Mitte einer Dreierreihe sein. Bei 190cm Körpergrösse ist das nicht angenehm, vor allem wenn der Flieger älter und eng ist. Kurz vor dem Abflug treffe ich auf Keiko und erzähle ihr von meinen Sorgen. Sie checkt ihre Boardingcard und siehe da: Sie hat 42E und bietet mir liebenswürdigerweise ihren Sitzplatz an. Vielen Dank Keiko, du warst für die erste Etappe von knapp 10 Stunden meine Rettung!!!

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Nach einem angenehmen Flug, treffen wir in Atlanta ein, checken unser Gepäck nochmals aus, gehen durch den Sicherheitscheck und checken es wieder ein. Welcome to America!

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Nach gut eineinhalb Stunden treffen wie endlich mit ein paar Turbulenzen in Chicago ein. Von da geht’s mit dem überaus grosszügigen, amerikanisch kühl klimatisierten Bus nach Northbrook zum Hotel weiter. Bis hierhin vergehen 18 Stunden Reisezeit. Während der Fahrt vom Flughafen zum Hotel, blicke ich aus dem Fenster und stelle einmal mehr fest, wieviel Platz die Amerikaner haben.
Nach einem kurzen Hotelzimmerbezug und einem feinen Essen vor Ort. heisst es um 22:00 Uhr Nachtruhe (05:00 Uhr Schweizer Zeit, nach knapp 23 Stunden ohne Schlaf).

Nach einem reichhalten Frühstück mit frischen Eiern und Speck auf Toastbrot und intensivem warm-up mit dem Hornmundstück, um bis zur ersten Probe am Dienstag in Form zu bleiben, lasse ich mich mit ein paar Kolleginnen und Kollegen mit dem hauseigenen Taxi zum Bahnhof Northbrook bringen. Von da geht’s mit dem Zug weiter nach Chicago. Heute ist ein Dienstfreier Tag, was bedeutet, dass wir uns noch an die Zeitverschiebung und das warme Klima gewöhnen können.

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In Chicago angekommen, steigen viele positive Erinnerungen in mir hoch, von meinem ersten Besuch von 1999. Eine fantastische City mit auffallend guter Luftqualität, was mit dem Lake Michigan und dem immer anhaltenden Wind zu tun hat.
Als erstes suche ich das Konzerthaus vom Chicago Symphony Orchestra. Weiter geht’s zu Fuss durch die Stadt wo ich mich zwischendurch mit chinesischem Essen und natürlich einer Coco Cola stärke.
Ich lasse mich durch die Stadt treiben und stosse auf ein Angebot am Chicago River: Um Punkt 13:19 Uhr ereignete sich eine partielle Sonnenfinsternis und die Menschen strömten zu hunderten aus ihren Büros, legten ihre Arbeit für eine Stunde nieder und genossen wie ich, das Naturschauspiel.

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Vom Wasser geht’s zu Fuss weiter, wo ich mich nach einer kurzen, aber rasanten Liftfahrt, auf den gut 300 Meter hohen Hancock Tower wage. Mit einem atemberaubenden Ausblick über die ganze Stadt, schweifen meine Blicke über die Millionen von Lichtern in der Dunkelheit. Per Zufall treffen wir auf den deutschen Fussballstar Bastian Schweinsteiger und seine Gattin Ana Ivanovic, der seine Karriere wahrscheinlich beim Chicago Fire SC abschliessen wird. Unserem Bayern München Fan Ulli schlägt das Herz bis zum Hals. Mit viel Überwindung gibt’s dann zum Abschluss auch noch ein Selfie für ihn.

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Am Dienstagvormittag gehts dann zur ersten Probe nach Ravinia und weiter mit zwei Konzerten. Ich freue mich auf die Konzerte mit dem Luzerner Sinfonieorchester!

(Philipp Schulze, 2. Horn)