Laudation von Mirjam Müller-Bodmer

Am 28. Oktober verlieh die Alzheimervereinigung Luzern der Konzertreihe «Ensemble D» den Fokus-Anerkennungspreis 2016. Lesen Sie hier die Laudatio von Mirjam Müller-Bodmer, Präsidentin der Alzheimervereinigun Luzern nach.

Geschätzte Damen und Herren
Liebe Anwesende

Als Präsidentin der Alzheimervereinigung Luzern begrüsse ich Sie herzlich zur Übergabe des Fokus-Anerkennungspreises. Der Fokus-Preis wird regelmässig jeweils Personen und Organisationen verliehen, die sich im besonderen Masse für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen engagieren und ihnen einen Platz in unserer Gesellschaft geben.

In diesem Jahr zeichnen wir das Luzerner Sinfonieorchester aus. Bereits 2014 war eine kulturelle Institution Preisträgerin, nämlich das Kleintheater Luzern. Das ist kein Zufall. Kultur und Kunst können Brücken schlagen, Menschen verbinden und unvergessliche Momente bescheren. Das trifft in besonderem Masse auf Musik zu.

Männer und Frauen mit einer Alzheimererkrankung oder einer anderen Form von Demenz sind nicht einfach von heute auf morgen zu nichts mehr fähig. Sie haben trotz ihrer Krankheit durchaus noch Kompetenzen, Ressourcen und kreatives Potenzial. Ja, mit der Zeit nehmen die Fähigkeiten ab, gewisse Fähigkeiten, keineswegs sämtliche und vor allem nicht alle auf einmal.

Sensibilisierte betreuende Angehörige, Freunde und Fachleute wie zum Beispiel Aktivierungstherapeutinnen und -therapeuten wissen um die Ressourcen von Menschen mit Demenz. Sie können ihre Patientinnen und Patienten und ihre Liebsten buchstäblich er-reichen. Lebensfreude und Lebensqualität sind nicht unmöglich und müssen gerade bei unheilbaren Krankheiten im Zentrum stehen. Auch mit der Diagnose Demenz kann ein Leben unter würdigen Bedingungen geführt werden.

Das Luzerner Sinfonieorchester hat Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen er-reicht. Das eigene Musizieren, Konzertbesuche aus der Zeit vor der Erkrankung oder ein Liedrepertoire sind unter Umständen noch immer tief im Bewusstsein verankert. Unvergessliche und positiv besetzte Erinnerungen sind damit verknüpft.

Mit der Konzertreihe «Ensemble D» schlägt das Luzerner Sinfonieorchester Brücken und weckt Erinnerungen. Die behutsame Einführung jeweils vor den Konzerten sorgt für eine wunderbare Einstimmung und ermöglicht intime Begegnungen mit den Musikern und Blicke hinter die Kulissen.

Im Konzertsaal gehören die Menschen mit Demenz während der Lunchkonzerte schliesslich zum Publikum wie alle anderen auch. Das Luzerner Sinfonieorchester integriert damit Erkrankte ganz bewusst. Mit allfälligen Störungen des Konzerts wegen Verhaltensauffälligkeiten wissen die Verantwortlichen umzugehen.

Ja, es ist so: Im Endstadium einer Demenz ist der oder die Betroffene vollständig auf fremde Hilfe angewiesen. Aber selbst dann ist es nicht ausgeschlossen, die Kranken zu er-reichen – mit Berührungen, mit nonverbaler Kommunikation, und wie erwähnt: auch mit Musik. Der Titel eines Sachbuchs sagt es treffend: «Das Herz wird nicht dement.»

In diesem Sinne freue ich mich, dem Luzerner Sinfonieorchester den FokusAnerkennungspreis 2016 zu überreichen. Im Namen der Alzheimervereinigung Luzern danke ich allen im Projekt «Ensemble D» Engagierten, namentlich dem Intendanten Numa Bischof und der Projektleiterin Diana Lehnert. Sie haben Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen einen Platz gegeben. Nicht nur im Konzertsaal des KKL Luzern, sondern in unserem Alltag und damit in unserer Gesellschaft. Das verdient diese Würdigung und ist zur Nachahmung empfohlen. Vielen Dank.