15. April 2017

Heute Morgen hiess es schon wieder Koffer packen für die Rückreise. Noch vor dem letzten Konzert in Bogota von heute Mittag. Die Koffer gingen direkt vom Hotel zum Flughafen, und wir nahmen noch den Umweg über das Theater, um unser drittes Konzert um 13 Uhr zu spielen. Für mich persönlich eine Herausforderung, lag ich doch heute ab 4 Uhr morgens mit starken Kopfschmerzen wach. Und Tabletten hatte ich keine dabei. Aus der Patsche geholfen hat mir dann beim Frühstück Horst, der mich mit dem richtigen Mittel versorgte, welches ihm seine Frau Katharina, Apothekerin, auf die Reise mitgegeben hatte. Danke Katharina.

Fürs letzte Konzert mobilisierte man nochmals seine letzten Kraftreserven. Die Tage hier waren intensiv. Jetlag, Höhendifferenz (Bogota liegt auf 2600 M. ü. M), Proben, 3 Konzerte mit verschiedenen Programmen. Etwas erschwerend war auch die Tatsache, dass unsere 3 Konzerte zu verschiedenen Uhrzeiten gespielt wurden. So wurde unser Rhythmus immer wieder durcheinandergewirbelt. Das Festival hier (Bogota es la Rusia Romantica) war der russischen Romantik gewidmet mit über 50 Konzerten in nur vier Tagen. Wenn wir jeweils zur Anspielprobe kamen, war das Orchester, welches vor uns das Konzert bestritt, noch am Spielen.

So gestern zum Beispiel das russische Nationalorchester, welches noch 2 Zugaben zum Besten gab. Matthias und Sergey mussten in Windeseile jeweils die Bühne umbauen. Sie haben sicher schon ruhigere Zeiten erlebt. Unterstützung erhielten sie von unseren Schlagzeugern beim Aufstellen ihrer Instrumente. Da wir heute um 13 Uhr das erste Orchester waren, welches im Saal spielte, konnten wir uns für einmal in Ruhe vorbereiten, was schon fast als Luxus gewertet werden darf. Mit dem kleinen Wermutstropfen, dass heute deutlich weniger Leute im Publikum sassen als an unseren ersten zwei Konzerten. Vielleicht sind also die Kolumbianer doch eher Abendmenschen.

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Das Publikum hier ist sehr herzlich und begeisterungsfähig. Heute gabs nach der 4. Sinfonie von Tschaikowsky eine Standing Ovation. Vielleicht war das auch ein Adieu sagen uns gegenüber, und als Dank und Anerkennung zu verstehen für die 3 Konzerte, die wir hier spielen durften. Auch ein Kränzchen muss man den Organisatoren winden. Wir waren immer umgeben von Helfern in roten T-Shirts, die sich freundlich und besorgt um uns kümmerten. Am ersten Tag wurde ich einen Moment lang etwas unsicher, da sie uns sagten, dass wir im Bus und nicht auf der Strasse warten sollten. Aus Sicherheitsgründen. Wir befolgten natürlich die Anweisungen, obwohl die Umgebung sehr ruhig aussah. Aber lieber zu viel Vorsicht als zu wenig. Ich persönlich habe mich hier aber nie unsicher gefühlt.

Jetzt sitze ich im Flieger zurück in die Schweiz und schreibe diesen Blog. Der nächste Jetlag nach der Ankunft in Sichtweite. Dies eine zusätzliche Herausforderung bei Tourneen. Von 4 Nächten in Bogota war nur eine gut und trotzdem muss man funktionieren. Für mich habe ich also in diesem Bereich die optimale Strategie noch nicht gefunden. Aber im Konzert verfliegt die Müdigkeit meist und es geht trotzdem. Ich hoffe jetzt, dass ich hier über den Wolken nun bald den Schlaf finde.

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(Jonas Erni, Solo 2. Violine)