«Der Erfolg kann von vielen Menschen mitgetragen werden!» | Luzerner Sinfonieorchester
Interview mit Numa Bischof Ullmann

Vom 1. Mai bis zum 19. Juni wurden im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne für das neue Probenhaus und Zentrum für Kinder- und Jugendprogramme des Luzerner Sinfonieorchesters Spenden gesammelt. Im Interview nimmt Intendant Numa Bischof Ullmann Stellung zu den Hintergründen des Projektes.

Probenhaus & Zentrum für Kinder- und Jugendprogramme beim Südpol
Visualisierung Vorplatz und Aussenfassade.

Das Luzerner Sinfonieorchester probt im weltberühmten KKL Luzern. Ist es da nicht ein Luxusproblem, dass man ein eigenes Probenhaus benötigt?
Numa Bischof Ullmann: Nein, im Gegenteil! Das KKL Luzern hat ohne Zweifel einen der besten Konzertsäle der Welt. Dieser ist allerdings (und zum Glück) extrem ausgelastet für Konzerte und andere öffentliche Veranstaltungen. Den Saal nur für die Probearbeit einzusetzen geht deshalb nur ausnahmsweise und wäre im Normalfall übrigens auch nicht finanzierbar. Der sogenannte „Probesaal“ im KKL, den man wohl nie als solchen konzipiert hatte, aber dann trotzdem dafür eingesetzt wurde mangels Alternativen, genügt professionellen Anforderungen hingegen schlicht nicht.

Wann kam die Idee für das neue Probenhaus zum ersten Mal auf?
Seit Jahren schon wissen wir, dass es unsere erste Priorität sein muss, einen guten Probensaal zu bauen. Es ist ja quasi das tägliche Werkzeug. Alle erwarten vom Luzerner Sinfonieorchester erstklassige Qualität. Dann muss man auch die Bedingungen dafür schaffen. Nur ist es nicht so einfach, einen Probensaal zu bauen: es braucht Baugrund, Geld und Zeit. Zahlreiche Voraussetzungen müssen also erfüllt sein.

Weshalb hat man sich für den Standort beim Südpol entschieden?
Es ist der perfekte Standort aus vielen Gründen: Die Nachbarschaft zur Musikschule, der neuen Musikhochschule sowie zu Südpol und dem Luzerner Theater sind geradezu ideal. Fläche und Erreichbarkeit sind es ebenso. Am Ende wird auf dem Südpol so ein Musik-Campus entstehen. Es wird dort die „musikalische“ Post abgehen.

Welche neuen Möglichkeiten werden die Musikerinnen und Musiker im neuen Probenhaus vorfinden?
Wir werden endlich über einen qualitativ hochwertigen Probensaal für das ganze Orchester verfügen. Zudem wird es auch Räume für Registerproben sowie Einzelproben geben, was ebenso sehr ein täglicher Bedarf für die Musiker ist.

Zusätzlich wird der Neubau ein Zentrum für Kinder- und Jugendprogramme sein. Was bedeutet dies konkret?
Wir haben ja seit vielen Jahren ein umfangreiches Programm für Kinder und Jugendliche, das wir übrigens komplett privat finanziert realisieren. Tausende von Menschen sind in den letzten Jahren in die Gunst davon gekommen. Dank unserem Musikwagen konnten wir dies auch in entlegenen Regionen anbieten. Dank dem eigenen Zentrum werden wir kostengünstiger und atmosphärisch hochwertiger zukünftig noch mehr Angebote lancieren können, die hervorragend zugänglich sein werden für alle Menschen jeglicher Herkunft – im Sinne einer inklusiven Kulturvermittlung.

Wieviel wird der Neubau des Probenhauses kosten?
Wir gehen von rund 10 Mio aus (inkl. Erneuerungsfonds).

Eine halbe Million Franken soll nun über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden. Wie entstand die Idee dafür?
Von den 10 Mio wird der Mammutanteil von Stiftungen und Mäzenen getragen. Diese engagieren sich also enorm (notabene ja auch sonst für das Orchester), weshalb dem irgendwann auch Grenzen gesetzt sind. Viel wichtiger aber: Dadurch dass wir durch das Crowdfunding allen Menschen die Gelegenheit geben mitzumachen, entsteht eine echte Bürgerinitiative. Niemand ist davon ausgeschlossen. Ab 5 Franken kann man mitmachen.

Ein ursprünglich privates Projekt wird somit zu einem öffentlichen. Damit entsteht Identifikation und auch Stolz, und der Inhalt wie auch der Erfolg kann von vielen Menschen der Region mitgetragen werden. Dies ist so ganz im Sinne unserer Stifter und Mäzene. Quasi ein demokratischer Ansatz der Kulturfinanzierung.

Weshalb freuen Sie sich persönlich am meisten auf das neue Probenhaus?
Weil es neben den genannten, elementaren Bedürfnissen (Probearbeit) auch etwas grossartiges für die Seele des Orchesters sein wird: Es wird dem Orchesters eine Heimat geben. Zudem: die Nachbarschaft zu anderen kulturellen Institutionen (siehe „Musik-Campus“) wird neue Brücken bauen!

Wenn Sie persönlich ein Werk wählen könnten, welches dereinst im neuen Probenhaus einstudiert werden soll, welches wäre es?
Ein Werk, das allen Menschen, die es hören, Freude macht und Anregung gibt. Davon gibt es zum Glück so viele, dass ich keines hervorheben muss: Einfach gute Musik!

Bis zum 19. Juni soll die Crowdfunding-Kapagne erfolgreich abgeschlossen sein. Weshalb wird dieses Ziel erreicht?
Weil die Sache schlicht und einfach so gut ist! Und weil alle mithelfen können. VIELEN DANK!

Interview: Stefan Schefer